Das Comeros-Manifest

  Zeitalter der Beliebigkeit

Wir stehen im modischen Zeitalter der Beliebigkeit. Seit über 200 Jahren hat
es wohl nie mehr eine Zeit mit so wenig Orientierung und soviel Resignation
gegeben wie heute. Die Utopien der Aufklärung geben sich geschlagen.
Längst ist der Kommunismus zerschlagen. Der Sozialismus orientiert sich am
Kapitalismus und (fast) alle meinen, wir seien nun endlich im heiteren Zeitalter
der Ideologielosigkeit angelangt. Denn schliesslich gilt der gesellschaftliche
Zustand des Casino-Kapitalismus in dem wir uns befinden, seltsamerweise
nicht als ideologisch geprägt, sondern als faktisch, quasi naturwissenschaftlich
begründet - jedenfalls
unabänderlich.

  Demokratische Kontrolle ausser Kraft Multinationale Unternehmen setzen im Zeichen der Globalisierung jegliche
demokratisch-staatliche Kontrolle unserer Gesellschaft elegant ausser Betrieb.
Die wirtschaftlichen Kräfte hinter der Hegemonialmacht USA mit ihrer Konzen-
tration global operierender Unternehmen sieht sich als uneingeschränkter von
Gott bestimmter Richter und Ordner der Welt - ohne dass sie bereit ist, sich
irgendeiner kritischen Kontrolle zu unterziehen.
  Freiheiten der Abhängigen werden abgeschafft Die kleinen Freiheiten der Rechtlosen und Abhängigen, die sich diese während
des letzten Jahhunderts der grossen ideologischen Auseinandersetzungen
zwischen Sozialismus und Kapitalismus - und letztlich nur dank diesen - mühsam
in jahrelangen Auseinandersetzungen erkämpfen konnten, werden systematisch
beschnitten, eingeschränkt oder gar abgeschafft. Ein Ende dieser Restauration
ist nicht abzusehen. Und das schier unglaubliche dabei ist, dass dies von den
Betroffenen stoisch und ähnlich einer Naturkatastrophe hingenommen wird:
Das ist halt so, da kann man nichts machen. Mir nichts, dir nichts werden von
den eh’ schon Ausgebeuteten Freiheiten und Möglichkeiten der Selbstverwirk-
lichung weggeworfen, für die ihre Mütter und Väter, Grossmütter und Grossväter
Zeit ihres Lebens aufopfernd gekämpft haben. Und wer sich dagegen auflehnt,
wird verächtlich als ewiggestriger Ideologe blossgestellt.

H.G. Wells Utopie der Eloi aus der „Zeitmaschine“ ist real geworden wie nie zuvor.
Mit Fussball, Seifenopern und Homestorys von Stars und Sternchen wird der verar-
menden Menschheit vorgegaukelt wie glücklich sie sei und was für Chancen sie
böte, solange sie ihren Tribut den Ausbeutern zollt.
  Menschlichkeit und Welt gehen zugrunde

Derweilen gehen nicht nur jegliche gesellschaftlichen Vorstellungen die auf
Menschlichkeit und Ausgleich bedacht waren in rasantem Tempo zugrunde,
sondern gleichzeitig die ganze Welt. Umweltkatastrophen die auf den unbedachten
Umgang mit den Ressourcen zurückzuführen sind, häufen sich. Die dritte Welt
wird täglich ärmer, da sie mit der technologischen Entwicklung der ersten Welt
schon lange nicht mehr mitzuhalten vermag und dadurch der Wert menschlicher
Arbeit beständig sinkt. Der ganze Irrwitz unserer Gesellschaft wird am Börsen-
kasino mit seinen durch Spekulation und Irrationalität gezeichneten Ausschlägen
ersichtlich.

  Glauben und Hoffen statt Denken

Das Vakuum an glaubhaften Entwürfen zum Sinn unserer Existenz und für ein
besseres Lebens führt zu einer ständig wachsenden Flucht in mystische und
esoterische Vorstellungen die eilfertig von geld- und machtbesessenen Predigern
verbreitet werden. An die Stelle kühler rationaler Analyse und Eigenverantwortung
treten heisser blinder Glaube und Hoffnung auf jeden Strohhalm.

Glauben ist in, Denken kaum mehr gefragt.

  Diffamierung jeglicher Kritik Ideen die es wagen das alleinseligmachende Primat der Marktwirtschaft und ihre
ausbeuterischen Mechanismen als einzigem gangbaren Weg für die Menschheit
in Frage zu stellen, werden immer gleich als demodé und abgestaubt diffamiert.
Doch hinter der vermeintlichen Ideologielosigkeit der Herrschenden kaschiert sich
nichts anderes als eiskalte Macht, Gier und Ausbeutung. Hinter einem sozusagen
„naturgesetzlicher“ nicht zu hinterfragender Pragmatismus der den Umgang und
die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Welt bestimmen, steht die
Ideologie des Rechts des Stärkeren, des Mannes. Der Pragmatismus dieser
Gesetzlichkeit ist zwar hoffnungslos. Ihn in Frage zu stellen sich lohnt sich aber
offenbar nicht, weil er - eben - faktisch ist. Ist es wirklich so, dass es Bestimmung
ist, dass die gewaltig wachsenden Massen der Unterdrückten und Ausgebeuteten
auf ewige Zeiten nichts zum Lauf der Welt zu sagen haben, dass deren Leben und
Existenz so oder so zwangsläufig je länger desto wertloser wird?

Braucht es wirklich neun Zehntel der Menschheit nicht mehr oder bloss als Hand-
langer, um den Shareholder-Value im Besitz des letzten Zehntels zu erhöhen?
  Das "Naturgesetz" gewaltsamer Revolution Könnte es nicht sein, dass sich die neuen Rechtlosen und Ausgebeuteten irgend-
wann gegen die Ausbeuter aufrichten und diese wegfegen werden - selbst wenn
dabei fünf Rechtlose auf der Strecke bleiben? War es nicht auch ein pragmatisches
Naturgesetz,
das vor etwas mehr als 200 Jahren in Frankreich und vor 80 Jahren in
Russland blutig und gewaltsam zur Anwendung kam?
  Noch ist ein friedlicher Ausgleich möglich Noch ist der friedliche Ausgleich möglich. Noch bleibt die Chance, diese unsere
Menschheit und ihre Umwelt zu erhalten und unserer Existenz in dieser Welt Sinn
- jenseits von Ausbeutung und gegenseitiger gewaltsamer Vernichtung - zu verleihen.

Voraussetzung dazu ist, dass wir wieder bereit sind zu denken, Utopien zu schaffen,
Entwürfe für ein besseres sinnvolleres Zusammenleben. Pragmatische Entwürfe,
wohlverstanden, die die Konsequenzen aus dem Scheitern der grossen Utopien des
letzten Jahrhunderts ziehen, Möglichkeiten und Grenzen erkennen und die wissen-
schaftlichen Erkenntnisse unserer Zeit einbeziehen.

Die Zeit ist reif. Fangen wir an.

  Wir sind Teil der Natur und haben ein beschränktes Bewusstsein Wir sind sind Teil der Natur und haben die beschränkte Fähigkeit des Nachdenkens
über unser Tun.

Wir sind uns bewusst, dass sich Menschheit und Welt in einer sich
verschärfenden Krise befinden.

- Wir alle wissen, dass sich die Menschheit ungehindert vermehrt.
- Wir alle wissen, dass die wichtigsten lebensnotwendigen Rohstoffe der Welt
  beschränkt verfügbar sind und zur Neige gehen.
- Wir alle wissen, das der Zugang zu den Ressourcen einseitig und ungerecht
  verteilt ist
- Wir alle wissen, dass sich die wichtigsten Probleme der Menschheit, Hunger,
  Armut und Krankheit mit den bisherigen Ansätzen weder mindern, noch
  lösen lassen.
- Wir alle wissen, dass sich die Menschen verschiedener Rassen und Reli-
  gionen in sinnloser und grausamer Weise bekämpfen.
  Wir haben Verantwortung gegenüber uns und
unseren Nachkommen

 

Wir sind uns bewusst, dass es unsere Verpflichtung gegenüber uns selbst und
unseren Nachkommen ist, uns für eine bessere Welt einzusetzen


- Wir glauben, dass wir nicht ganz den Gewalten der Natur preisgegeben sind.
- Wir glauben, dass wir in engen Grenzen handelnd in das Geschehen der Welt
  eingreifen können und dass es unsere zwingende menschliche Verpflichtung
  ist, dies zu tun.
  Es ist Zeit, dass wir aufstehen und handeln. Jetzt, heute und in Zukunft.

Schon immer war die Hoffnung eines jeden von uns die Vorstellung einer
gerechten Gesellschaft selbstbestimmter, gleichberechtigter, solidarisch
handelnder Menschen.

Wir wissen, dass diese Vorstellung unerreichbar ist.

Aber wir wissen ebenso, dass wir die Berechtigung unserer menschlichen
Existenz aufgeben, wenn wir aufhören nach dieser Utopie zu streben.
Denn wir wissen, dass die Alternative zu diesem Streben in der irdischen Hölle
und dem Elend willkürlicher, schrankenloser, unmenschlicher gegenseitiger
Ausbeutung besteht.

Es ist daher nicht wichtig, ob wir etwas ändern können, sondern, ob wir uns
heute daran machen zu versuchen es zu ändern.

Es ist Zeit, dass wir aufstehen und handeln. Jetzt, heute und in Zukunft.